Viele Vertriebene: Tag 8

Ich lerne hier, dass in den vielen Camps nicht nur Flüchtlinge (von anderen Ländern) leben, sondern mehr noch Vertriebene, die im Inland vor Gewalt und Rebellen geflohen sind. Heute fahre ich mi D. früh los, zuerst 45min Autofahrt in das Camp Bukombo, dort leben 911 Familien mit 2101 Menschen. Wir werden vom President und seinem Leitungsteam (15 Personen) begrüßt.

Man erzählt uns vom Leben im Lager und wir tragen uns, wie ueblich, ins Gästebuch ein. Die Bewohner berichten von undichten Dächern der Hütten und der Schwierigkeit Essen zu finden. Ich stelle mich kurz vor und die Hütte ist voll mit Interessierten. Ich habe nichts mitgebracht, ich werde nichts helfen können und trotzdem freuen sich die Menschen über meinen Besuch. Am Ende gehen wir in ein großes Zelt mit ca. 50qm in dem die Neuen (40-50 Erwachsene und Kids) seit zwei Wochen auf engstem Raum leben, auch sie finden schwer Essen. Die Dächer der Armenviertel in Goma sind Wellblech, die der Camps sind aus Folie, die irgendwann rissig und undicht wird.

Zum Schluss darf ich noch zwei bescheidene Hütten von innen anschauen.

Bevor wir ins Auto einsteigen, blase ich noch ein paar Luftballons zur Freude der Kids auf und werfe sie in die grosse Kinderschar.

Im zweiten Camp Kalinga leben 1791 Familien mit 7728 Menschen und ich sehe eine handgeschriebene Liste der Bewohner. Da der President noch nicht da ist, werden wir von Frauen und Aelteren mit Tanz und Gesang begrüßt. Sehr oft hören wir „Karibu“ (willkommen), viele im Camp sprechen Swahili oder Kinyarwanda, die Sprache der Hutu aus Ruanda. Eine junge Frau erzählt uns wie schwer es ist für die vielen Alten mitzusorgen. Auch hier gibt es das Problem undichter Dächer. 

Wir schauen uns noch, ein km entfernt, das Zelt für Neue an. Wieder ca. 40qm für 50 Personen. Keine Matratzen, nur eine Folie je Familie als Unterlage zum schlafen.

Zum Schluss besuchen wir das Camp Lushebore mit 729 Familien und 3219 Menschen. Es liegt zwar landschaftlich sehr schön in einer grünen Hügellandschaft, aber die Huetten- und Hygiene-Situation ist auch nicht besser. Es gibt keine Duschen und Plums-Gemeinschaftsklos, kein Strom, kein Wasser in der Hütte und es wird mit Holz in der Hütte gekocht. Auch hier wird über undichte Dächer geklagt. Im Komitee sitzt auch eine couragierte junge Frau und es rührt mich, als mir der Präsident zum Schluss Gottes Segen für meine Reise wuenscht. Ich komme zwar mit leeren Händen und wenig Zeit, aber wenigstens gelingt mir bei den Kindern mit ein paar Spaesschen sie zum lachen zu bringen. Ich schüttelte viele Hände und sage zig-Mal „jambo“ und nehme zuhause viel dankbarer und bewusster meine warme Dusche und in mir kommt so manches Kinderlachen hoch, was mich froh macht. 

Beim Abendessen erzählt D., dass er oefters angebettelt wird. Wenn er Geld hat, gibt er. Wenn er reingelegt wird, ist er nicht verärgert, eher traurig für den der gelogen hat. Der muss mit dieser Sünde vor seinem Gott klar kommen. A. gibt stets nur zwei Drittel, damit der Betroffene auch selbst noch etwas tun muss und er will das Geld nicht zurück, seine Bedingung ist einem anderen Nächsten zu helfen. Dabei wird mir klar, wie wertvoll mir ignatianische Gemeinschaft und deren Impulse sind und ich bin dankbar Gast von JRS sein zu dürfen.

Autor: Jutz_2017

Geboren 1961 und beruflich als E-Ing. (FH) in der Automatisierungstechnik tätig. Glücklich verheiratet und Vater von vier erwachsenen Töchtern. Ich engagiere mich gerne im Fairen Handel und in der Flüchtlingsarbeit. Religiös bin ich in der kath. Kirche aufgewachsen und fühle mich in der igantianischen Spiritualität zuhause. Der Interreligöse Dialog mit Muslimen, Hindus und Anderen ist mir wichtig geworden, die Ökumene ist mir eine Selbstverständlichkeit.

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