APPROVI: Tag 27

Mit dem Verein APPROVI und dessen Einladung in den Kongo hat es angefangen und weil dessen Vorsitzender, Imani, gerade in Goma ist, kann ich ihn sogar noch treffen. Der Verein hat seinen Sitz in Kindu, unterstützt aber auch Projekte in Goma und Kinshasa. Imani wohnt auch in Kindu und hat APPROVI gegründet um den vielen sexuell missbrauchten und dann verstoßenen Frauen zu helfen. Er tauscht sich auch mit dem PANZI aus. Seit einigen Jahren wird er aus Deutschland vom Verein Konvoi-der-Hoffnung unterstützt. Der junge Mann ist Lehrer, hat drei Kinder und hat 2016 noch eine Doktorarbeit angefangen. Als ich ihn nach seiner Motivation für APPROVI Frage, macht es mich betroffen zu hören, dass er das Schicksal seiner Schwestern erlebte. Als diese zuerst im Bürgerkrieg vergewaltigt wurden, haben ihre Ehemänner verstossen, dieses Schicksal teilen viele congolesische Frauen. Er war davon so betroffen, dass er sich fragte, was er für diese Frauen tun könne und gründete APPROVI.

Gestern Abend hatte ich mal wieder ein Chat mit Timothy, einem jungen Nigerianer, den ich 2015 in Ragusa kennen lernte. Zuhause habe ich meist keine Zeit, da viele emails u.a. warten, aber das Schöne hier ist, dass ich mal länger mit im Schatten kann. Ich erfahre, dass er in der Landwirtschaft Arbeiter, aber er so wenig verdient, dass er von Gemeindemitgliedern manchmal Essen bekommt. Er ist wohl einer der Sklaven in Südeuropa, die für unser billiges Obst und Gemüse arbeiten. Aehnlich wie die Arbeiter in den Mineralminen des Kongos oder in den Textilfabriken Asiens, oder oder….  Ich Frage mich gerade mal wieder, warum oft in meinem Namen oder im Namen unserer Regierungen soviel Ausbeutung geschieht und warum wir alle, die so gut leben, das so hinnehmen.

Da mein letzter Tag ist verabschiedet ich mich von lieben Menschen, die ich kennen lernen durfte. Morgen geht es früh los, da nachmittags von Kigali mein Rückflug startet.

Ich war vier Wochen auf Kongoreise und werde mir nun vier Wochen Zeit lassen alles setzen zu lassen. Der Blog war ein kleiner Auszug meiner Erlebnisse. Manches durfte ich nicht schreiben, anderes ist mir vielleicht noch nicht richtig bewusst oder es fehlen mir die richtigen Worte.in vier Wochen werde ich mich hier nochmal melden und versuchen eine Auswertung meiner Reise zu formulieren. Wer Lust hat schaut einfach nochmal vorbei.

Vielen Dank an alle, die mich in Gedanken und im Gebet auf dieser Reise begleitet haben.

Autor: Jutz_2017

Geboren 1961 und beruflich als E-Ing. (FH) in der Automatisierungstechnik tätig. Glücklich verheiratet und Vater von vier erwachsenen Töchtern. Ich engagiere mich gerne im Fairen Handel und in der Flüchtlingsarbeit. Religiös bin ich in der kath. Kirche aufgewachsen und fühle mich in der igantianischen Spiritualität zuhause. Der Interreligöse Dialog mit Muslimen, Hindus und Anderen ist mir wichtig geworden, die Ökumene ist mir eine Selbstverständlichkeit.

2 Gedanken zu „APPROVI: Tag 27“

  1. Lieber Patrick,

    vielen Dank für deinen anregenden Blog. Dein Blog war meine morgendliche Zeitungslektüre. Ja, die Frage ist berechtigt. Warum nehmen wir bevorteilten Menschen so viel Ausbeutung hin, schauen weg, kommen nicht aus unserer Komfortzone raus und agieren nicht. Keine Zeit ? Bequemlichkeit ? Gefühl, doch nichts ändern zu können ?
    Jetzt wünsche ich dir eine gute Heimreise und freue mich dich bald wiedersehen zu können.
    Herzliche Grüße

    Micha

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